GLOBART Award

Seit Jahren zeichnet GLOBART Persönlichkeiten aus, die durch ihr Wirken Vorbilder und HoffnungsträgerInnen für die Gesellschaft und die nächsten Generationen sind. Zu jeder Zeit waren und sind Vorbilder wichtig. Sie begeistern, sind Leitfiguren, prägen unser kulturelles Erbe. Mit dem GLOBART AWARD sollen Menschen ermutigt werden, authentisch ihren Weg zu gehen. Der Preis ist zugleich Dank und Würdigung für das künstlerische und gesellschaftspolitische Engagement.

Zu den bisherigen PreisträgerInnen zählen Lord Yehudi Menuhin, Hans Küng, Václav Havel, Ernesto Cardenal, Riccardo Muti, Freda Meissner-Blau, José Antonio Abreu, Tino Sehgal, Michael Haneke, Jeffrey Sachs und Marina Abramovic.

Der Award wurde von Josef Kaiser, Mitarbeiter des Künstlers Adolf Frohner, entworfen. In ihrer ausdrucksstarken Einfachheit ist die Figur ein Symbol für Spiritualität, Kreativität und soziales Bewusstsein.

GLOBART AWARD 2019 an Carola Rackete


Verleihung


Die Verleihung fand am 19. Oktober 2019 im Rahmen der GLOBART Academy im Essl Museum, Klosterneuburg, statt. Carola Rackete nahm die Auszeichnung persönlich entgegen.
Sie hat jedoch die Flüchtlinge als die wahren Helden bezeichnet und stellvertretend, den GLOBART Award an Javed Haidari überreicht. Der Jubel kannte kein Ende.

Ob die Grußbotschaft der Menschen aus Lampedusa, die Jakob Brossmann überbrachte, Daniel Kehlmann und Manfred Nowak aus der Ferne zuriefen oder Johannes Kaup mit seiner Laudatio Bilder malte, die keinen von uns unberührt ließen. Uns alle hat die Geschichte des jungen Afghanen Javed Haidari, der seine Flucht übers Mittelmeer schilderte berührt – in einem Schlauchboot für 2 Menschen, saß er mit 5 weiteren Flüchtlingen, als mitten am Meer der Schlauch riss. Keiner von ihnen konnte schwimmen. Wie durch ein Wunder wurden sie von einem Polizeiboot gerettet.

Carola Rackete

Am 12. Juni lief Rackete mit der Sea-Watch 3 nach langer Blockade auf Hoher See trotz eines Verbots der italienischen Behörden in den Hafen von Lampedusa ein, um 53 Menschen aus Libyen, darunter medizinische Notfälle, Frauen und Kinder, endlich an Land zu bringen. Nachdem diplomatische Lösungen ausgeblieben waren, Verzweiflung und Not an Bord überhand nahmen, hatte sie sich zu diesem Schritt entschlossen. Rackete: „Die Situation war hoffnungslos. Und mein Ziel war es lediglich, erschöpfte und verzweifelte Menschen an Land zu bringen .“

Ihre Entscheidung, als Kapitänin ohne Erlaubnis in den Hafen von Lampedusa einzulaufen, um Menschenleben zu retten, machte sie als engagierte und mutige Akteurin der Zivilgesellschaft weltweit bekannt. Ihr entschlossenes Handeln angesichts unmenschlicher Politik macht sie zum Vorbild und Inspiration für viele Menschen nicht nur in Europa.

Carola Rackete ist keine Provokateurin, sie ist Repräsentantin einer europäischen Zivilgesellschaft, die nicht länger warten will, bis andere – vor allem die Mächtigen – ihre Sichtweise und ihr Handeln ändern . Sie gehört einer Generation junger Menschen an, welche die Dinge selbst in die Hand nehmen. Sie ist auch keine Einzelkämpferin, sondern Teil einer globalen Bewegung für eine neue, eine humane Flüchtlingspolitik der EU. Leben zu retten ist für sie selbstverständlich. Sie folgt ihrem Gewissen, macht, was wir alle tun sollten: sie handelt.

Zusätzlich engagiert sie sich für den Klimaschutz. “Für mich war das kein Wandel”, so Rackete im deutschen Magazin „Der Spiegel“ über ihren Einsatz für den Umweltschutz: „Ich bin Naturschutzökologin und habe mich schon vorher für unsere Ökosysteme eingesetzt, nur hat es niemanden interessiert.”

Die Klimakrise ist eine existentielle Bedrohung für die Ökosysteme der Erde und für für das Leben und die Lebensweisen vieler Bevölkerungsgruppen weltweit. Damit wird die Veränderung des Klimas zu einem der gravierendsten Fluchtgründe.

300 Millionen Klimaflüchtlinge könnte es laut Greenpeace bis 2040 geben. „Mit diesem Wissen müssten die Regierungen Europas doch ein elementares Interesse an Klimaschutz haben”, so Rackete.

GLOBART AWARD PreisträgerInnen

2019 – Carola Rackete

Carola Rackete (geboren 1988) erlangte internationale Bekanntheit als Kapitänin der Sea-Watch 3, als sie 2019 im Mittelmeerraum Katastrophen- und humanitäre Hilfe leistete. Rackete studierte Nautik an der Jade Hochschule in Elsfleth, Deutschland (2007-2011) und Naturschutzmanagement an der Edge Hill University, Ormskirk, Lancashire, England (2015-2018). Von August 2011 bis Oktober 2013 nautische Offizierin für das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung sowie auf Kreuzfahrtschiffen, für Greenpeace (März 2015 – September 2015) und British Antarctic Survey (Januar 2016 – April 2017). 2018 arbeitete Rackete für drei Monate als Natur Guide in der Hocharktis, wo sie zum Naturschutz und über die Auswirkungen des ökologischen Wandels lehrte. Daneben engagiert sich Rackete seit 2016 als Freiwillige für den Verein Sea-Watch e.V., im Europäischen Freiwilligendienst-Programm im UN-Kulturerbe-Park Volcanoes Kamchatka, Russland und als Tierschützerin für LPO France. Seit 2018 reist Rackete durch China, postsowjetische und polare Gebiete, wo sie selbstständig eine sozial-ökologische Studie zum Naturschutz durchführt. Ihr derzeitiges Ziel ist, die Zukunft des Natur- und Umweltschutz in verschiedenen Kulturen und Kontinenten zu erforschen.

2018 – Marina Abramović

Seit Beginn ihrer Karriere in Belgrad in den frühen 1970er Jahren ist Marina Abramovic Pionierin der Performance Art und hat einige der wichtigsten frühen Werke geschaffen. Der Körper war immer beides – ihr Subjekt und Medium. Ihre physischen und mentalen Grenzen erforschend, hat sie auf ihrer Suche nach emotionaler und spiritueller Transformation Schmerzen, Erschöpfung und Gefahr ertragen. 2010 hatte Abramović ihre erste große U.S. Retrospektive und gleichzeitig fand ihre 700 Stunden Performance “The Artist is Present” im Museum of Modern Art in New York statt. 2014 vervollständigte sie die drei Monate lang dauernde Performance “512 Stunden” in der Serpentine Gallery in London. Abramović gründete das Marina Abramović Institute (MAI), eine Plattform für immaterielle und langfristige Arbeit für neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Denkern aller Bereiche. Das Institut hat 2016 seine bisher vollständigste Form der Zusammenarbeit mit NEON in “As One”, Benaki Museum, Athen, beheimatet. Ihre jüngste Publikation “Walk Through Walls”: Erinnerungen, veröffentlicht von Crown Archetype am 25. Oktober 2016. Ihre Retrospektive, “The Cleaner” wurde erstmals im Moderna Museet, Stockholm im Februar 2017 gezeigt und tourt zum Louisiana Museum für moderne Kunst in Dänemark, Henie Onstad Kunstsenter in Oslo, Bundeskunsthalle in Bonn und Palazzo Strozzi in Florenz.

2017 – Jeffrey Sachs

Geboren 1954 in Detroit. Seit 2002 Leiter des Earth Institute an der Columbia Universität und einer der weltbekanntesten Ökonomen, federführend in nachhaltiger Entwicklung, UN-Berater, Bestseller-Autor – The End of Poverty (2005), Common Wealth: Economics for a Crowded Planet (2008) und The Price of Civilization (2011), sowie Kolumnist für Zeitungen und Zeitschriften in mehr als 100 Ländern. Neben unzähligen gewonnen Preisen und Auszeichnungen wurde er vom Time Magazin zweimal zu den 100 einflussreichsten Menschen weltweit gewählt und die New York Times beschreibt ihn “als den wahrscheinlich wichtigsten Ökonomen weltweit”. Professor Sachs wird als einer der einflussreichsten Experten für wirtschaftliche Entwicklung, globale Makroökonomie und im Kampf gegen Armut angesehen. Er ist Sonderberater des UN Generalsekretärs António Guterres für die Durchsetzung der Sustainable Development Goals und war davor ebenfalls Berater in der Ausformulierung der Millennium Development Goals wie der Sustainable Development Goals. Zurzeit ist er Direktor des UN Sustainable Development Solutions Network und Kommissar der ITU/UNESCO Broadband Commission for Development.

2016 – Michael Haneke

Michael Haneke wurde 1942 in München geboren. Als Sohn zweier Schauspieler wuchs er in Wien auf und studierte dort nach dem Schulabschluss Philosophie, Psychologie und Theaterwissenschaften. Nach vorzeitigem Abbruch des Studiums ging Haneke 1967 nach Baden-Baden, um als Fernsehdramaturg beim Südwestfunk zu arbeiten. 1989 gab Haneke mit “Der Siebente Kontinent” sein Debüt als Kinoregisseur. Mit “Die Klavierspielerin” (2000), einer Verfilmung der literarischen Vorlage von Elfriede Jelinek, gelang Haneke endgültig der internationale Durchbruch, gefolgt von weiteren Meisterwerken wie “Das weiße Band” und “Liebe”, wofür er einen Oscar erhielt.

2015 – Tino Sehgal

Geboren 1976 in London. Künstler. Lebt und arbeitet in Berlin. Studium der Volkswirtschaftslehre und des Tanzes an der Humboldt-Universität in Berlin sowie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. 2013 Leone d’oro, 55. Biennale di Venezia. Einzelausstellungen (Auswahl): A Year at the Stedelijk: Tino Sehgal, Stedelijk Museum Amsterdam; The Unilever Series – Tino Sehgal, Tate Modern, Turbine Hall, London; Tino Sehgal, Solomon Guggenheim Museum, New York. Gruppenausstellungen (Auswahl): Turner Prize 2013, Ebrington; The Encyclopedic Palace, 55. Biennale di Venezia, Venedig; dOCUMENTA (13), Kassel. Sehgal arbeitet an einer radikalen Neubestimmung der Kunst und ihrer Erfahrung, indem er Situationen anstatt materieller Objekte konstruiert. In seinen Arbeiten untersucht er soziale Prozesse, kulturelle Konventionen und Rollenverteilungen und bestimmt dabei nicht nur die Kunstproduktion selbst neu, sondern stellt fundamentale Werte unseres Sozialsystems wie Nachhaltigkeit, Originalität und Eigentum auf den Prüfstand.

2012 – John Hunter

Absolvent der Virginia Commonwealth University. US-Pädagoge, preisgekrönter Lehrer und Bildungsberater, Erfinder der reformpädagogischen Maßnahme – “World Peace Game” und Hintergrund als Komponist und Filmemacher. 2012 Verleihung GLOBART AWARD, 2011 TED-Talk “Teaching with the World Peace Game”.

2009 – Ernesto Cardenal

Nicaraguanischer suspendierter katholischer Priester, sozialistischer Politiker und Dichter. Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft an der Universidad Nacional Autonoma von Mexiko. Bis 1949 an der Columbia University in New York. Theologie-Studium in Mexiko und Kolumbien. Bedeutender Vertreter der Befreiungstheologie. 1979 bis 1987 Kulturminister von Nicaragua. 1988 Gründung (gemeinsam mit Dietmar Schönherr) des internationalen Kultur- und Entwicklungsprojekts “Casa de los tres mundos” in Granada. Erhielt dafür 2009 den GLOBART Award.

2007 – Riccardo Muti

Einer der führenden Dirigenten der Gegenwart. Studium am Conservatorio di Musica San Pietro a Majella in Neapel und am Verdi-Konservatorium in Mailand. Seit 1971 Gast bei den Salzburger Festspielen. Musikdirektor der Mailänder Scala, des Philadelphia Orchestra, des Chicago Symphony Orchestra und der Römischen Oper. Für sein künstlerisches Wirken und sozialpolitisches Engagement im Rahmen der Konzertreihe “Le Vie dell’Amicizia” (“Wege der Freundschaft”) 2007 mit dem GLOBART Award ausgezeichnet.

2006 – José Antonio Abreu

Venezolanischer Komponist, Ökonom, Politiker, Erzieher, Aktivist. Gründer des größten musikalischen Projektes in Venezuela “Sinfónica de la Juventud Venezolana Simón Bolívar”. 2006 mit dem GLOBART Award ausgezeichnet.

2005 – Freda Meissner-Blau
2005 – Franz Küberl

Langjähriger Präsident der “Caritas Österreich” (1995-2013). Mitglied des ORF-Publikumsrats und des ORF-Stiftungsrats, Stifter der “Katholischen Medien Verein Privatstiftung”.

2004 – Dom Erwin Kräutler

Römisch-Katholischer Ordensgeistlicher, Missionar. Von 1981 bis 2015 Bischof und Prälat von Xingu, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens. 2010 für seinen Einsatz für die Menschenrechte der Indios und die Erhaltung des tropischen Regenwaldes im Amazonas-Gebiet mit dem alternativen Nobelpreis und 2004 mit dem GLOBART Award ausgezeichnet.

2003 – Václav Havel

Tschechischer Dramaturg, Essayist, Menschenrechtler und Politiker. 1989 bis 1992 letzter Staatspräsident der Tschechoslowakei, 1993 bis 2003 erstes Staatsoberhaupt der Tschechischen Republik. Mitglied in der Schriftstellergemeinde “Obec spisovatelů” und Ehrenmitglied im “Club of Rome”. 2003 mit dem GLOBART Award ausgezeichnet.

2000 – Hans Küng

Theologe, römisch-katholischer Priester, Autor. Von 1960 bis 1996 Theologie-Professor, zuletzt für Ökumenische Theologie an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Bis März 2013 Präsident der von ihm mitgegründeten Stiftung “Weltethos”. Wurde 2000 mit dem GLOBART Award ausgezeichnet.

2000 – Fariborz Sahba

Fariborz Sahba ist ein iranisch-kanadischer Architekt und Anhänger der Bahai-Religion. Er entwarf die Terrassen am Schrein des Bab und das Besucherzentrum im Bahai-Weltzentrum in Haifa, das Haus der Andacht in Neu-Delhi, das als Lotustempel bekannt ist, sowie die iranische Botschaft in Peking, Volksrepublik China.[1] Er studierte Architektur an der Universität Teheran bis 1972.
Als sich nach der Islamischen Revolution von 1979 die Verfolgung der Bahai verschärfte, musste er sein Heimatland verlassen und siedelte nach Vancouver in Kanada um.

1998 – Lord Yehudi Menuhin

Lord Yehudi Menuhin ist 1916 in New York geboren. Er wuchs auf in San Francisco. Yehudin erhielt mit vier Jahren den ersten Geigenunterricht bei Louis Persinger. Bereits 1925 gab Menuhin sein erstes Solokonzert, weitere folgten 1926 in New York. Seine Karriere als Konzertgeiger führte Menuhin anschließend um die ganze Welt. Er zählt zu den größten Violinvirtuosen des 20. Jahrhunderts. Lord Yehudi Menuhin verstarb 1999 in Berlin.

GLOBART INNOVATION AWARD PreisträgerInnen

2005 – Katalin Zanin

“Ich bin OK” – Studium der Psychologie und der Theaterwissenschaften an der Universität Wien und des Lehrgangs Kulturmanagement. 1979 Gründung des Vereins “Ich bin O.K.”, von 1990 bis 1995 Geschäftsführerin der “Aktion Mensch” für die Industriellen Vereinigung. Leitung des Kultur- und Bildungsvereins “Ich bin O.K.”, nunmehr dessen Integrationsbotschafterin und Ehrenpräsidentin. Erhielt 2005 für ihr Projekt “Ich bin O.K.” den GLOBART Innovation Award.

2004 – Timna Brauer & Elias Meiri

“Voices for Peace” – Geboren in Wien, verbringt Timna Brauer ihre ersten Lebensjahre in Paris. Matura am Wiener Lycée Francais, Gitarre, Klavier und Gesangsausbildung (Wiener Konservatorium). Anschließend Studium der Musikwissenschaften an der Pariser Sorbonne und Meisterkurse in Klassik. Sie wurde erfolgreich in Ihrer Musikkarriere.
Gemeinsam mit dem israelischen Jazz-Pianisten Elias Meiri gründet Timna Brauer 1985 ein Ensemble, das bis heute regelmässig international auftritt.
Elias Meiri ist gebürtiger Israeli, und spielt seit dem fünften Lebensjahr Klavier.
Unterstützt durch sein absolutes Gehör beherrscht er schon im frühen Alter die Improvisationskunst.
Er besucht das Musikgymnasium Talma Yalin in Tel-Aviv und absolviert sein Studium im Berklee College of Music in Boston. Einige Jahre spielt er mit diversen Jazzgrößen wie Dizzie Gillespie, Dave Liebmann und Steve Großmann in New York, bevor er sich 1988 in Europa niederlässt.

2001 – Wilhelm Barthlott

“Lotuseffekt”

2001 – Shamil Fattakhov

“Promoting Positive Messages Through The Media”