Tage der Transformation

30. September bis 01. Oktober 2022, Stift Melk

Die ökologische Katastrophe erfordert eine grundlegende Veränderung unserer Lebens- und Wirtschaftsweise. Aber wie wird dieses Wissen der Wissenschaft gesellschaftliche Praxis? Was macht eine „Transformation“ eigentlich aus?

Die „Tage der Transformation“ führen die Tradition der „Globart Academy“ fort und ermöglichen einen Austausch zwischen Theorie und Praxis. International renommierte Theoretiker*innen werden hier sprechen, regionale Pionier*innen des Wandels werden ihre Geschichten erzählen. „Die Zivilgesellschaft lebt schon heute die Veränderungen, die wir brauchen. Wir möchten den Menschen, die sich hier engagieren, mit Dankbarkeit und Bewunderung begegnen. Wir können – und müssen – als Gesellschaft von ihnen lernen“, so Jakob Brossmann, der neue Intendant von Globart. Gemeinsam wollen wir uns im Stift Melk den Fragen der Transformation stellen. Mit Gesprächen, persönlichen Erzählungen, musikalischer Reflexion und Workshops möchten wir üben, wie gesellschaftlicher Wandel gelingt.

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TRANSFORMATION VERHANDELN

Jeffrey Sachs, Präsident des UN Sustainable Development Solutions Network und Globart Award Träger, wird einen Einblick in die Entwicklung und Ausverhandlung der UN Nachhaltigkeitsziele geben: Alle Regierungen der Welt haben sich diesen verschrieben und müssen sich nun an diesen Zielen messen lassen. „Wir müssen die Interessen jener verteidigen, denen wir nie begegnet sind – und niemals begegnen werden”. Er setzt sich mit Mitteln der globalen Diplomatie für eine ganzheitliche Antwort auf die multiplen Krisen unserer Zeit ein. „Mit einem kleinen Anteil des Vermögens der Welt könnte die Armut beendet und die Erde gerettet werden – oder werden die Regierungen weiterhin die Reichen bevorteilen und dabei den Planeten zerstören?“

Der Psychiater und Ökonom Stefan Brunnhuber hingegen reflektiert die Zusammenhänge von Psychologie und gesellschaftlichen Rahmenbedingung und kommt zu dem Schluss: Transformation ist eine Kunst. „Wir werden nur dann nachhaltig zusammenleben können, wenn wir anfangen die psychologischen Realitäten anzuerkennen, die uns alle ständig antreiben und umgeben“.

Die Autorin und Migrationsforscherin Judith Kohlenberger wird in einer Festschrift die transformative Rolle der Zivilgesellschaft reflektieren. “Das gemeinsame Wir wird aus Streit, Debatte und Auseinandersetzung geboren”, so beschreibt sie zivilgesellschaftliche Prozesse als Grundbedingung für das entstehen einer inklusiven Gesellschaft.

DIE KUNST DER TRANSFORMATION

„Wir beginnen, die Erde zu sehen“, formuliert Elisabeth von Samsonow. In ihrer Kunst befasst sie sich mit neolithischen Weiblichkeitskulten, die sie in die Gegenwart – und auch in den Stiftsgarten von Melk – transferieren wird. Sie ist überzeugt: Erst eine matriarchale Gesellschaft ist in der Lage, die Schwächsten und die Natur zu schützen. Die Künstlerin und Philosophin wird ihre Werke ausstellen und ihre Arbeit im Gespräch mit Renata Schmidtkunz reflektieren – die alle Gespräche der Tage der Transformation moderieren wird.

Pionier*innen der Zivilgesellschaft werden das Programm bereichern. In Porträts gestaltet von der Schriftstellerin Luna Al-Mousli werden sie ihre Geschichten erzählen und in Workshops ihr Wissen teilen. Der Schlagwerker Lukas Koenig wird die Inhalte musikalisch reflektieren und mit den Anwesenden in Resonanz treten.

TRANSFORMATION ERPROBEN

Was wäre wenn? Was wäre, wenn wir gemeinsam ausprobieren können, wie wir die Zerstörung des Weltklimas aufhalten? Was wäre, wenn wir nicht nur Hypothesen spinnen und wieder viel reden, sondern wirklich wüssten, was wirkt? Was wäre, wenn wir im Schnelldurchlauf gemeinsam ein Jahrhundert gestalten können? Was wäre, wenn wir eine wissenschaftlich fundierte Weltmaschine hätten, an der wir gemeinsam erfahren, wie die Welt auf unser Handeln reagiert

Junge Menschen aus unterschiedlichen Bereichen haben die Möglichkeit im Rahmen eines Stipendienprogramms die “Tage der Transformation” mitzugestalten. Das von mitweitblick neu entwickelte Weltklimaspiel wird hierbei als Mittel dienen die unterschiedlichen verhandelten Problemlösungen über eine computergestützte Simulation für die Zukunft erprobbar zu machen. Durch das Programm leiten der Entwickler des Spiels, Matthias Mittelberger von mitweitblick und der Klimawissenschaftler Thomas Schinko vom IIASA – International Institute for Applied System Analysis. In verschiedenen Rollen üben die Stipendiat*innen die Kunst der Transformation und was es bedeutet, diese zu verhandeln.

Fotos © Taha Alshemaree, Matthias Mittelberger, Globart


Programm

Freitag, 30. September 2022, Stift Melk

11:00 “Museum des Anfangs”
Eröffnung der Ausstellung von Elisabeth von Samsonov
im Stiftspark
Elisabeth von Samsonow ist ökofeministische Künstlerin und Philosophin, die mit ihren Arbeiten an prähistorische matriarchale Weiblichkeitskulte anknüpft und die Geschichte der Göttinnen der Donaukultur in die Zukunft fortschreibt.
14:00 “One-Way Planet”
Schüler*innen des Stifts laden zur Führung durch ihre Ausstellung
Treffpunkt am Eingang der Nordbastei
14:00 “Gebaut für die Ewigkeit”
Patres des Stifts laden in die verborgenen Räume des Stifts ein.
Treffpunkt am Eingang des Stiftspark
Tickets für die Führung sind bei Führungsbeginn vor Ort zu erwerben regulär €16,00 / ermässigt €9,50
Anmeldung unter info@globart.at.
17:00 Eröffnung der TAGE DER TRANSFORMATION
im Kolomanisaal
Musikalische Eröffnung durch den Stiftschor
17:15 Begrüßung
17:50 “Mit den Händen in der Erde”
Protagonist*in des Wandels: Sarah Schmolmüller
im Kolomanisaal
Sarah Schmolmüller ist Aufsichtsratsmitglied der Regionalwert Niederösterreich-Wien AG und Gründerin von “dirndln am feld”, sie lebt für die regenerative Landwirtschaft und setzt sich für ihre Finanzierung ein.
18:00 “Eine bessere Welt verhandeln”
Meine Erfahrungen auf dem Weg zu den UN-Nachhaltigkeitszielen
Eröffnungsvortrag von Jeffrey Sachs
anschließend:
Jeffrey Sachs im Gespräch mit Renata Schmidtkunz
im Kolomanisaal
Jeffrey Sachs ist US-amerikanischer Ökonom und Sonderberater des UN Generalsekretärs zur Durchsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs). Sein Ziel ist die Bekämpfung der Armut und die Umsetzung einer nachhaltigen Weltwirtschaft mit internationaler Diplomatie.
19:45 Abendessen im Stiftskeller
mit anschließendem Empfang im Stiftspark
21:00 “Reflexionen I”
Konzert von Lukas Koenig
sowie Besichtigung der Ausstellung
von Elisabeth von Samsonow
im Stiftspark

Lukas Koenig ist ein international gefragter Schlagwerker, Drummer, Komponist und Produzent der über Genregrenzen hinweg begeistert. Er spielt und arbeitet in verschiedensten Formationen, wie Mopcut, PLF, Kompost 3, Bilderbuch oder als Solokünstler.

Samstag, 1. Oktober 2022, Stift Melk

09:00 Meditation
Die islamischen, evangelischen und katholischen Religions-Lehrenden des Stiftsgymnasiums laden zur interreligiösen Meditation ein.
in der Sommersakristei
10:00 “Erinnern ist in die Zukunft gerichtet”
Protagonist*in des Wandels: Wolfgang Fehrerberger

im Kolomanisaal
Wolfgang Fehrerberger ist Mitglied im Verein MERKwürdig, der in Melk an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert und Workshops zur Prävention von Radikalisierung und Rassismus anbietet.
10:15 “Die Welt annehmen und ändern lernen.“
Warum Transformation eine Kunst ist

Vortrag
von Stefan Brunnhuber
im Kolomanisaal
Stefan Brunnhuber ist Wirtschaftssoziologe, Ökonom und Psychiater. Der Arzt, Autor und Mitglied des Club of Rome ist in zahlreichen Gremien aktiv und engagiert sich für eine ökologische Transformation und offene Gesellschaft.
11:15 “Die Lage ist ernst. Lasst uns spielen!”
Protagonist*in des Wandels: Matthias Mittelberger

im Kolomanisaal
Matthias Mittelberger entwickelte mit der Gemeinnützige GmbH mitweitblick das Weltklimaspielⓒ, in dem Menschen spielend globale Zusammenhänge erfahren und Kompetenzen der politischen Transformation erwerben. Er leitet mit Thomas Schinko das Stipendien-Programm der “Tage der Transformation”.
11:30 “Die Erde ist weiblich“
Kunst, Urgeschichte und die ökologische Wende

Elisabeth von Samsonow im Gespräch mit Renata Schmidtkunz
im Kolomanisaal
Elisabeth von Samsonow ist ökofeministische Künstlerin und Philosophin, die mit ihren Arbeiten an prähistorische matriarchale Weiblichkeitskulte anknüpft.
12:30 “Ich bin eine unwahrscheinliche Geschichte”
Protagonist*in des Wandels: Khaled Jarkas

im Kolomanisaal
Khaled Jarkas erhielt selbst das Startstipendium für engagierte Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Heute spielt er bei Rugby Donau in der Liga und ist ehrenamtlicher Jugendtrainer im Rugby Club Open Borders.
13:00 Mittagsessen im Stiftskeller
14:30 Workshops mit Protagonist*innen des Wandels
Orte werden bekanntgegeben
“Verantwortung tragen für das Hier und Jetzt”
mit Wolfgang Fehrerberger von MERKwürdig
Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung Melks und des ehemaligen Außenlagers von Mauthausen in der heutigen Kaserne wurde lange verdrängt und negiert. Heute sind dank der Arbeit von MERKwürdig in Melk Orte der Erinnerung und Präventionsarbeit entstanden. Auf einem Rundgang erkunden wir die Bedeutung von Erinnerungsarbeit für unsere Gegenwart.
“Welt – Klima – Spiel”
mit Matthias Mittelberger von mitweitblick.
Wir besuchen die Stipendiat*innen und erleben, wie diese mit dem Mittel des simulationsgestützten Weltklimaspiels unterschiedliche Antworten auf die drängenden ökologischen Fragen verhandeln und erproben. Eine Möglichkeit mit den Stipendiat*innen und Spielemacher*innen die Erfahrungen mit der Klimasimulation zu diskutieren.
“Garten geht nur gemeinsam”
mit Sarah Schmolmüller von Regionalwert AG.
Beim Spaziergang in den Kloster-Garten erfahren wir, wie alte Traditionen des Gartens von einer jungen Generation von Landwirt*innen neu umgesetzt werden. Im engen Austausch mit den Konsument*innen entsteht so eine solidarische Landwirtschaft, die für Menschen und Umwelt gut ist.
“Erzähl mir deinen Rückenwind”
mit Khaled Jarkas und Luna al Mousli von Startstipendium
Momente und Menschen sind der Antrieb: sie inspirieren, die Gesellschaft mitzugestalten. Die eigenen Lebensgeschichten und Erfahrungen machen uns das bewusst. Durch das offene Erzählen, werden Teilnehmende angeregt ihre Biografie zu reflektieren und werden eingeladen sich mit ihren eigenen Antriebsmomenten und Personen die sie geprägt haben, auseinander zu setzen.
“Klangraum”
mit Lukas Koenig
Wir klopfen drauf, rufen, spielen, improvisieren. Das Stift erklingt. Gemeinsam erforschen wir die Raum- und Zeitwahrnehmung. Im Takt, im Polyrhythmus transformieren wir die klösterliche Stille in ein Noise Chaos.
14:30 “Die Zukunft ist besser als ihr Ruf”
Filmvorführung in der Tischlerei Melk

Dokumentarfilm von Teresa Distelberger, Niko Mayr, Gabi Schweiger, Nicole Scherg – in Anwesenheit von Niko Mayr
Ein Film über Menschen, die etwas bewegen. Sie engagieren sich für lebendige politische Kultur, für nachhaltige Lösungen bei Lebensmittel und Bauen, für Klarheit im Denken über Wirtschaft, für soziale Gerechtigkeit.
Überall hören wir von Krisen, Medien schüren Verunsicherung. Wie reagieren wir darauf? Augen zu, Ohren zu? Oder lieber Ärmel aufkrempeln und was tun? DIE ZUKUNFT IST BESSER ALS IHR RUF macht Mut: Sechs Beispiele erzählen von der Möglichkeit, den Lauf der Dinge doch selbst mitzugestalten.
Niko Mayr ist Regisseur und Kameramann. Mit dem Ökonomen Walter Ötsch, den er in “Die Zukunft ist besser als ihr Ruf” porträtiert, verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit.
17:00 Pause
17:30 “Alles steht auf dem Spiel”
Rückblick auf das Stipendienprogramm
im Kolomanisaal
Teilnehmende im Gespräch mit Thomas Schinko und Matthias Mittelberger
Das Globart Stipendienprogramm ermöglicht 25 jungen Menschen aus unterschiedlichen Feldern intensiv zusammenzuarbeiten. Dieses Jahr konnten sie mit dem Mittel des simulationsgestützten Weltklimaspielⓒ, unterschiedliche Antworten auf die drängenden ökologischen Fragen verhandeln und erproben.
Matthias Mittelberger ist Philosoph und Politikwissenschaftler, er entwickelte mit der Gemeinnützige GmbH mitweitblick das Weltklimaspielⓒ
Thomas Schinko ist Systemwissenschaftler, Ökonom und Leiter der Forschungsgruppe Equity & Justice am Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA).
18:00 “Die Couragierten”
Über die transformative Kraft der Zivilgesellschaft
Festvortrag und Präsentation des Essays zu „100 Jahre Niederösterreich“
von Judith Kohlenberger
im Kolomanisaal
Judith Kohlenberger ist Autorin und Migrationsforscherin am Institut für Sozialpolitik der WU Wien, wo sie zu Fluchtmigration, Integration und Zugehörigkeit forscht und lehrt. Sie engagiert sich u.a. bei “COURAGE – Mut zur Menschlichkeit” für legale Fluchtwege. Ihre Bücher “Wir” (2021) und “Das Fluchtparadox”(2022) erschienen bei Kremayr & Scheriau.
18:30 “Ausblicke”
Panel & offenes Gespräch
im Kolomanisaal
Jeffrey Sachs, Elisabeth von Samsonow, Stefan Brunnhuber, Judith Kohlenberger im Gespräch mit Renata Schmidtkunz
20:00 Abendessen im Stiftskeller
mit anschließendem Empfang im Stiftspark
20:45 “Reflexionen II”
Konzert von Lukas Koenig und Gast
im Pavillon
Lukas Koenig ist ein international gefragter Schlagwerker, Drummer, Komponist und Produzent der über Genregrenzen hinweg begeistert. Er spielt und arbeitet in verschiedensten Formationen, wie Mopcut, PLF, Kompost 3, Bilderbuch oder als Solokünstler.

Moderation/Gestaltung

Moderation der Gespräche:
Renata Schmidtkunz
Renata Schmidtkunz ist Ö1-Redakteurin, Journalistin und evangelische Theologin. Sie leitet seit 2013 die Sendereihe ‚Im Gespräch‘, die in aufrichtigen persönlichen Begegnungen subjektiven Perspektiven, spannende Sachverhalte, kontroverse Interpretationen und neue Erkenntnisse vermittelt.
Musikalische Moderation:
Lukas Koenig
Lukas Koenig ist ein international gefragter Schlagwerker, Drummer, Komponist und Produzent der über Genregrenzen hinweg begeistert. Er spielt und arbeitet in verschiedensten Formationen, wie Mopcut, PLF, Kompost 3, Bilderbuch oder als Solokünstler.
Gestaltung der Protagonist*innen des Wandels:
Luna Al-Mousli
Luna Al-Mousli ist Autorin und Illustratorin. In Melk geboren, in Damaskus aufgewachsen, an der Angewandten studiert, reflektiert sie in ihren Arbeiten Erfahrungen von Exklusion und Teilhabe, Heimat und Fremde. Zuletzt erschien ihr Buch “Klatschen reicht nicht! Systemheld*innen im Porträt”.
Programmgestaltung:
Globart-Team
Globart entwickelt Formate in denen Kunst, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam Perspektiven suchen und erkunden. Bereits gelungene Veränderung und ihre Geschichten bekommen hier eine Plattform. Globart ermöglicht Begegnungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und möchte so zu einer positiven ökologischen und sozialen Transformation beitragen.

Förderer

Kooperationen

Sponsoren

Sponsoren des Stipendienprogramms

Medienpartner