GLOBART Academy 2014

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Verstehen wir die Welt nicht mehr – oder reichen einfach nur die Erklärungsmuster nicht mehr aus, mit denen wir sie bisher zu verstehen glaubten?

Die Welt ist sehr komplex geworden. Informationen über entfernteste Ereignisse, die wir über simple Smartphones in globaler Gleichzeitigkeit abrufen, können den erlebten Kontrollverlust nicht kompensieren. Die Dynamik einer entgrenzten Finanzwirtschaft, Re-Nationalisierung und Ent-Säkularisierung als Auslöser geopolitischer Verunsicherung, technologische Revolutionen mit all ihren Licht- und Schattenseiten: von all diesen Feldern der neuen Un-Übersichtlichkeit kennen wir unzählige Details, das Gesamtbild aber bleibt unsichtbar.

Zugleich stellen wir staunend fest, dass wesentliche Phänomene, die unser tägliches Leben maßgeblich beeinflussen, unsichtbar sind. Schwerkraft, Gedanken, Zeit, Gene, Vertrauen – genau das macht uns Menschen neugierig, hinter die Kulissen zu schauen, ist eine Triebfeder für Forschung und Entdeckergeist, spornt uns an, tiefer den Geheimnissen unserer Welt auf die Spur zu kommen.

Die GLOBART Academy als Atelier der Zukunft geht einigen dieser Fragen auch in diesem Jahr wieder nach:

Wird das Weltall, dessen entfernteste Galaxien wir rastlos sichtbar zu machen versuchen, zur unsichtbaren Mülldeponie oder zur Quelle neuer Entdeckungen für den Menschen? Was bedeutet eine transparente Gesellschaft – und wie schaffen wir es wieder, digital unsichtbar zu werden und unsere Privatheit zu retten? Was macht unser Denken aus? Bestimmen unsichtbare Zeitregime unser Leben? Was macht das mit uns? Führt soziale Beschleunigung zu sozialer Entfremdung? Warum ist Lachen ansteckend? Welche Rolle spielt intuitive Kommunikation, was können Spiegelneuronen in therapeutischen Prozessen bewirken? Werden Gefühle und Empathie durch Roboter sichtbar? Folgt auf die Gesichtserkennung die Aufschlüsselung unserer geheimsten Gedanken? Auch Gene sind für das menschliche Auge unsichtbar. Sie sind, wie es Markus Hengstschläger formuliert, wie Bleistift und Papier. Können wir sie nützen, um die Geschichte unseres Lebens selber zu schreiben? In dieser Freiheit hat auch Adam Smith, Aufklärer und Moralphilosoph gedacht, als er das Funktionieren des Marktes an Spielregeln knüpfte. Seine „unsichtbare Hand“ setzte die Einhaltung selbstverständlicher moralischer Grundregeln voraus. Sind sie auch heute noch ausreichend?

Im Rahmen der GLOBART Academy wollen wir uns all diesen Themen stellen. Wir freuen uns auf spannende vier Tage, um mit Hirn, Herz und Hand vieles sichtbar zu machen, auf Geschichten einer anderen Praxis und einen lebendigen Austausch für eine enkeltaugliche Zukunft.